Leserunde

Vorableserunde zu "Die Überlebenden" (Alex Schulman)

Die Überlebenden -

Die Überlebenden
von Alex Schulman

Bewerbungsphase: 01.07. - 22.07.

Beginn der Leserunde: 29.07. (Ende: 19.08.)

Im Rahmen dieser Vorableserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des dtv Verlags – 20 Freiexemplare von "Die Überlebenden" (Alex Schulman) zur Verfügung. 

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. Bitte beachtet folgenden Hinweis: Rezensionen dürfen nicht vor dem 20. August 2021 veröffentlicht werden.

ÜBER DAS BUCH:

»Ein Roman, der es wert ist, bewundert zu werden.« Expresse

Über Hoffnung. Über Versöhnung. Über Leben

Nach zwei Jahrzehnten kehren die Brüder Benjamin, Pierre und Nils zum Ort ihrer Kindheit – ein Holzhaus am See – zurück, um die Asche ihrer Mutter zu verstreuen. Eine Reise durch die raue, unberührte Natur wie auch durch die Zeit. Im Kampf um die Liebe der Mutter, die abweisend und grob, dann wieder beinahe zärtlich war, haben die Jungen sich damals aufgerieben bis zur Erschöpfung. Heute fühlen sie sich so weit voneinander entfernt, dass es kein Aufeinanderzu mehr zu geben scheint. Und doch ist da dieser Rest Hoffnung, den Riss in der Welt zu kitten, wenn sie sich noch einmal gemeinsam in die Vergangenheit vorwagen.

ÜBER DEN AUTOR:

Alex Schulman, 1976 in Hemmesdynge geboren, ist Autor und Journalist. Er hat mehrere autobiografische Bücher veröffentlicht, sein Memoir ›Glöm mig‹ wurde in Schweden 2017 zum Buch des Jahres gekürt. ›Die Überlebenden‹ ist sein erster Roman.

21.08.2021

Thema: Lektüre, Teil ll; 157 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil ll; 157 bis Ende
ysmn kommentierte am 02. August 2021 um 10:53

“Was ist mit uns geschehen?” kann man wahrscheinlich als Leitfrage dieses Romans bezeichnen. Die Brüder sind durch das Erlebte, durch all das Ungesagte, das Unverarbeitete zu Fremden geworden. All die Fragen, die sie einander nicht gestellt haben, all die Gespräche, die sie nicht geführt haben, haben zwischen ihnen einen Graben aufklaffen lassen. Benjamin geht in der Stadt an Pierre vorbei, ohne ihn zu grüßen und besucht Nils Zuhause erst, nachdem dieser dort schon seit Jahren wohnt. Sie wissen nicht mehr “wie man sich in die Augen sieht, ihre Gespräche finden mit gesenktem Blick statt”. 

Ich finde, es gelingt dem Autoren auf sehr eindrückliche Weise, das, was mit der Familie als Ganzes und mit jedem einzelnen der Familienmitglieder passiert ist, darzustellen. Benjamins Perspektive und seine spezielle Sicht auf die Welt, das rückblickende Erzählen, die glaubhaften Charakterentwicklungen der drei Brüder und das über allem stehende Trauma haben den Roman für mich zu einer Lektüre gemacht, die noch lange nachhallen wird. Ich war oftmals berührt. Die Szenen am Todesbett des Vaters fand ich zum Beispiel sehr stark und emotional. Auch der Brief der Mutter oder Benjamins Verdrängung des Todes der Schwester hat der Autor meiner Ansicht nach gekonnt und eindrücklich wiedergegeben. 

Der Roman hat mich überzeugt und meine Erwartungen an ihn übertroffen!

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misery3103 kommentierte am 03. August 2021 um 15:03

Der Tod des Vaters und der Brief der Mutter haben mich beide sehr berührt. Vor allem im Brief der Mutter und ihrem Geständnis, dass sie nicht genug für die Jungs da war, hab ich viel Wahrheit erkannt. Beide Szenen haben mir Gänsehaut gemacht.

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Stardust kommentierte am 08. August 2021 um 21:44

Ja, den Abschiedsbrief der Mutter fand ich auch sehr emotional, schade, dass sie es nicht merh geschafft, sich nicht gewagt hat, mit den Jungs zu reden. Ihnen hätte es sicher noch helfen können.

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:26

"Ich finde, es gelingt dem Autoren auf sehr eindrückliche Weise, das, was mit der Familie als Ganzes und mit jedem einzelnen der Familienmitglieder passiert ist, darzustellen. Benjamins Perspektive und seine spezielle Sicht auf die Welt, das rückblickende Erzählen, die glaubhaften Charakterentwicklungen der drei Brüder und das über allem stehende Trauma haben den Roman für mich zu einer Lektüre gemacht, die noch lange nachhallen wird. Ich war oftmals berührt. Die Szenen am Todesbett des Vaters fand ich zum Beispiel sehr stark und emotional. Auch der Brief der Mutter oder Benjamins Verdrängung des Todes der Schwester hat der Autor meiner Ansicht nach gekonnt und eindrücklich wiedergegeben.

Der Roman hat mich überzeugt und meine Erwartungen an ihn übertroffen!"

Da kann ich mich nur anschließen - ein Roman, der mich vollkommen in den Bann gezogen hat...

 

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nikolausi kommentierte am 02. August 2021 um 16:35

Der zweite Teil hat mir noch besser gefallen als der erste, weil er viele Ausblicke auf das Leben der Familie im Erwachsenenalter bietet und die Handlung nicht ausschließlich in dem Haus am See angesiedelt ist. Das Ende haut einen wirklich um - Molly war kein Hund, sondern die Schwester der Jungs, die in der Trafostation tödlich verunglückt ist. Bis zu den letzten Seiten hat nichts auf eine derartige Auflösung hingedeutet. Allerdings frage ich mich, ob Benjamin ein solches Geschehen wirklich jahrelang total ausblenden konnte, immerhin war er damals schon neun Jahre alt. Das Verhalten der Mutter, niemals mit ihren weiteren Kindern über den tragischen Vorfall zu sprechen, ist unverzeihlich. Das hat dazu geführt, dass sich die Kinder von ihr entfremdet und ungeliebt vorkamen.

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misery3103 kommentierte am 03. August 2021 um 15:02

Ich glaube, Trauer und Scham können schlimme Geheimnisse in etwas Erträglicheres umwandeln. Das Gehirn macht komische Sachen, um den Menschen zu schützen.

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Xana kommentierte am 04. August 2021 um 13:05

Ich denke, eben weil Benjamin bereits neun Jahre alt war und auch an Mollys Tod quasi beteiligt war, konnte er nicht einfach "vergessen" und sein Gehirn hat Molly aus Schutz zu einem Hund umkonstruiert. Er kann ja so schon kaum mit den Schuldgefühlen und dem Schmerz leben, mit der Gewissheit, dass seine Schwester gestorben ist, hätte er wahrscheinlich einfach nicht überlebt.

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alasca kommentierte am 04. August 2021 um 21:22

"Allerdings frage ich mich, ob Benjamin ein solches Geschehen wirklich jahrelang total ausblenden konnte, immerhin war er damals schon neun Jahre alt."

Das ist ganz und gar schlüssig. Ein in der Psychologie bekanntes Phänomen, die Psychologin, die ihn behandelt, erklärt es Benjamin ja auch. Gerade bei einem so hochsensiblen Kind wie ihm ist das absolut denkbar. Immerhin schon 9 Jahre alt - schon ist gut;-) Ein Kind! Nicht mal in der Pubertät! Und von allen komplett mit der Verarbeitung der Sache allein gelassen. Zumal die Eltern durch ihr Verbot die anderen Brüder daran gehindert haben, mit ihm darüber zu sprechen. Die Seele schützt sich manchmal durch Vergessen oder Umschreiben. 

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Xana kommentierte am 06. August 2021 um 00:33

die Psychologin, die ihn behandelt, erklärt es Benjamin ja auch

Den Punkt fand ich persönlich besonders gut gemacht. Die Psychologin erklärt das Phänomen und erst eine Weile später erfährt man, dass Molly ein Mädchen war, und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass die Psychologin damit ja bereits versucht hat, Benjamin auf seine Verdrängung hinzuweisen.

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:29

Ja, das ist mir auch aufgefallen - ein weiterer kluger Schachzug im Aufbau des Romans...

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Estrelas kommentierte am 15. August 2021 um 13:36

Ich frage mich wirklich, ob er die ganze Zeit an einen Hund dachte. In jedem Fall deutet es darauf hin, dass diese Geschichte in der Familie überhaupt nicht verarbeitet wurde. Wie schlimm, wenn auch dieses Erbe an den Jungs hängenbleibt.

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:27

Die menschliche Psyche kann die überraschendsten Dinge tun - alles, um ein Überleben zu gewährleisten...

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schwadronius ergänzte am 04. September 2021 um 18:28

Das ist so wahr und gleichzeitig kaum fassbar. Das Hirn hat unglaubliche Schutzmechanismen. Ob das Nichtfassen seiner Selbst darunter fällt?!

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misery3103 kommentierte am 03. August 2021 um 15:01

Der zweite Teil hat mich gefesselt, auch weil die Brüder erwachsen sind. Das Verhältnis zueinander ist nicht mehr vorhanden. Auch mit der Mutter nur seltsame Treffen Benjamins. Das hat mich sehr traurig gemacht.

Dann die wahren Geschehnisse am See. Wie grausam - der arme Benjamin muss mit ganz schön viel allein fertig werden. Kein Wunder, dass er die Geschehnisse verdrängt hat.

Insgesamt nur schade, dass die Brüder ihr Verhältnis nicht verbessern konnten. Die schwere Kindheit hat zu viel zerstört.

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Estrelas kommentierte am 15. August 2021 um 13:38

Immerhin, als es um den letzten Wunsch der Mutter ging, haben sie zusammengehalten. Auch das Ausgraben der Zeitkapsel zeigt vielleicht die Nostalgie über die verlorengegangenen Gemeinsamkeiten.

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meg kommentierte am 03. August 2021 um 18:38

Was für ein zweiter Teil ! Dass Molly die kleine Schwester der drei war und nicht der Hund - darauf wär ich nie gekommen. Und dass die Eltern die Erinnerungen an dieses Kind so verdrängen und bei Benjamin die traumatische Erfahrung aus dem Überspannwerk und Mollys Tod gar nicht verarbeitet wurde ist ja furchtbar. Das Buch hat mich emotional sehr angestrengt. Ich glaube als Nächstes brauche ich ein locker, leichtes Buch.

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alasca kommentierte am 04. August 2021 um 21:21

Ja, locker-leicht geht anders. ;-)  Ich habe als nächste Lektüre auch etwas Fluffigeres vorgesehen. 

 

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Stardust kommentierte am 08. August 2021 um 21:47

Ich fand das Buch auch sehr, sehr gut, muß jetzt aber auch was ganz gegensätzliches lesen. An dieses Buch werde ich sicher noch lange denken.

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alasca kommentierte am 04. August 2021 um 21:19

Die Auflösung hat mich umgehauen - Molly war kein Hund, sie war ein kleines Mädchen! Ich hatte ja die ganze Zeit so ein komisches Gefühl der Unstimmigkeit - aber darauf bin ich nicht gekommen. Dadurch wird alles sehr schlüssig, und mein einziger Kritikpunkt ist quasi verdunstet. 

Mit dem Ende ist alles rund - ein absolut geniales Konstrukt, dieser Roman. Ich bin sehr beeindruckt!

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Xana kommentierte am 06. August 2021 um 00:43

Dieses "Gefühl", dass etwas nicht stimmt, hatte ich auch. Das waren so kleine Sachen, wie zum Beispiel, dass die Mutter sich im Auto nach dem kleinen Unfall zuerst um Molly kümmerte, und die Tatsache, dass Pierres schlimme Verletzungen an den Armen nach dem Stromschlag niemandem aufgefallen sein sollen (was mir seltsam vorkam, da ich dachte, die Eltern würden zwar den Hund schlimm betrauern, sich doch aber zunächst um ihre Kinder kümmern müssen, was aber perfekten Sinn ergibt, wenn man erfährt, dass Molly ihre Tochter war).

Ich stimme dir also absolut zu – mit dem Ende ist alles rund. Benjamin sagt ja auch selbst, er hätte die Bausteine seiner Erinnerung, aber könne sie nicht zusammensetzen, weil etwas fehlt, und genau diesen letzten Baustein gibt ihm die Psychologin.

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Kleine_Raupe kommentierte am 08. August 2021 um 00:31

Das unterschreibe ich!

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Stardust kommentierte am 08. August 2021 um 21:49

Das erste Mal komisch fand ich es bei der betrunkenen Autofahrt, die im Graben geendet hatte, als die Mutter erst nach dem Hund sah, dann nach den Söhnen. Da dachte ich, es kann was nicht stimmen.

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:30

Da kann ich mich wieder nur anschließen...

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siko71 kommentierte am 06. August 2021 um 20:19

Wow, die drei Jungen haben ja ganz schön was durchgemacht in ihrem Leben. Benjamin am Meisten. Nun ist die Alkoholsucht der Eltern auch klar. Man staunt immer wieder, dass aus den Jung's doch was geworden ist. So eine Kindheit prägt, obwohl sie auch schöne Stunden und Erinnerungen hatten.

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Heidi kommentierte am 20. August 2021 um 22:53

Korrigier mich bitte, wenn ich falsch liege, aber hatten die Eltern nicht vorher schon nen Alkoholproblem. Der PArt der Geschichte, der in der Vergangenheit liegt, wird ja chronologisch erzählt. Die LEtern ahben doch auch schon zu Mollys Lebzeiten viel getrunken. Beispielsweise der MIttsommertag, an dem der Vater so viel trank, dass er nen Vorfall mit dem Auto hatte als alle drin saßen. Da war Molly doch auch dabei. Sie saß doch sogar auf dem Schoß der Mutter, während der Fahrt. 

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Heidi kommentierte am 20. August 2021 um 22:54

Ich würde jetzt nicht alles auf die Tragödie schieben. Die Eltern waren vorher auch schon so wie wir sie im ersten Teil eingeschätzt hatten.

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Kleine_Raupe kommentierte am 08. August 2021 um 00:34

Ich wäre ebenfalls nicht darauf gekommen, dass Molly gar kein Hund war! Der Brief der Mutter hat mich zu Tränen gerührt. Ein Buch von ungeheurer emotionaler Wucht!

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alasca kommentierte am 09. August 2021 um 14:22

"Wucht" ist genau das Wort. Sehr treffend. 

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:31

"Ein Buch von ungeheurer emotionaler Wucht!"

Absolut - für mich auch!

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Kleine_Raupe kommentierte am 08. August 2021 um 00:59

Übrigens fand ich auch die Danksagung sehr schön! Der Autor freut sich, dass sein Buch nun auch in Deutschland erscheint, denn er weiß, dass die Deutschen die größten Bücherliebhaber der Welt sind! :) und was er über seine Frau schreibt, finde ich auch toll!

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ysmn kommentierte am 09. August 2021 um 14:36

Wie schön, dass du das hier noch mal erwähnst! Das fand ich nämlich auch. :) 

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Estrelas kommentierte am 15. August 2021 um 13:39

Ich habe mich zwar nie in einen weltweiten Vergleich gestellt, aber ja... ;)

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schwadronius erwähnte am 04. September 2021 um 18:35

Ich dachte bisher immer, das wären die Isländer. Und die Deutschen das Volk der Dichter und Denker. Hoffentlich bleibt das, ist es doch ein so schönes Bild!

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Benne kommentierte am 08. August 2021 um 21:47

Ja, wow! Die Szene mit der Therapeutin, ihre letzten Sätze und der ganze Aufbau der Story des Kapitels bis dahin war grandios. Ich habe die Textstelle drei-, viermal gelesen, weil das super geschrieben ist und mich schockiert hat. Das habe ich nicht erwartet und es bricht mir ein klein wenig das Herz, dass die kleine, verletzliche Schwester das Zentrum der Trauer für die Familie ist.

Der nicht-chronologische Aufbau der Erzählung in der Gegenwart hat mich gar nicht mehr so stark gestört. Aber dann frage ich mich, wieso die Kapitel in der Gegenwart einige Male größtenteils aus Erinnerungen der Vergangenheit bestehen. Schulman hat das gut in die Geschichte eingewebt, aber ich dachte es soll ganz klar in der Gegenwart spielen und mir als Leser was darüber erzählen.

Bin schon echt begeistert von dem Roman! 

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Stardust kommentierte am 08. August 2021 um 21:53

Was für ein Buch, es hat mich emotional total mitgenommen und ganz sicher werde ich es zu einem späteren Zeitpunkt erneut lesen, obwohl ich weiß, was diese Familie so vollends zerstört hat.

Auf diese Auflösung wäre ich nie gekommen und es macht mich sehr traurig, wie diese Kinder damit alleine gelassen wurden, das sie sich nichtmal gegenseitig stützen konnten.

Sie haben überlebt, aber unter welchen Umständen...

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schwadronius erwähnte am 04. September 2021 um 18:39

" ... ganz sicher werde ich es zu einem späteren Zeitpunkt erneut lesen."

Ich bestimmt auch.

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Estrelas kommentierte am 09. August 2021 um 18:19

In Andeutungen wie der Jacke, die nicht genug wärmt, wird deutlich, dass die Jungen nicht genug Aufmerksamkeit erfahren, womöglich vernachlässigt wurden. Ist das wohl ein Grund, warum keiner von ihnen tatsächlich seine Trauer ausdrückt? In jedem Fall haben sie sogar zu einer Straftat gegriffen, um den letzten Wunsch der Mutter zu erfüllen. Auch in diesem Teil haben mich wieder Stellen irritiert, z.B. die im Wasser, wo scheinbar mehrere Erlebnisse (früher und heute?) verarbeitet wurden. Dass es als Selbstmordversuch interpretiert wurde, hat mich jedenfalls überrascht. Die Schwester wurde wohl von allen verdrängt, wenn sie erst in der Therapie als solche thematisiert wird. Ich frage mich, um ich das Buch zum falschen Zeitpunkt (und v.a. nach dem sehr eindrucksvollen Trauerbericht Christian Dittloffs) gelesen habe, dass es mich nicht, wie erwartet, mitreißen konnte. Schade.

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Stardust kommentierte am 09. August 2021 um 19:42

Ich habe diese beiden Bücher auch direkt hintereinander geesen und beide haben mich tief berührt. Aber jetztlese ich so ganz was anderes.

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Heidi kommentierte am 20. August 2021 um 22:43

Ja stimmt. Jetzt wo du es schreibst, fällt es mir auch auf. Warum begehen die Jungs eigentlich die Straftat. Sie meinten doch zu dem Krematoriumsmitarbeiter, dass sich die Pläne der Beerdigung geändert haben, weil sie kurzfristig einen Brief der Mutter gefunden haben. In dem Brief der Mutter stand doch eigentlich diesbezüglich nur drin, dass sie am Sommerhaus verstreut werden möchte. Dann hätten die Jungs doch einfach die Urne da lassen können und die Formalitäten klären können. Das Verstreuen der Acshe hatte doch überhaupt keine Eile.

Ich muss auch zugeben, dass mich der zweite Teil eher etwas verunsichert hat. Der erste Teil war super gut. Aber der zweite...da stimmen für mich ein paar Kleinigkeiten nicht.

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schwadronius erwähnte am 04. September 2021 um 18:44

In dieser Szene ist ein Zusammenhalt der Brüder zu erkennen. Sicherlich unnötig, aber jeder einzelne Charakter wird darin noch mal zusammengefasst.

Und vielleicht sehnten sie sich nach dem sofortigen Ende ihres gemeinsamen Traumas ...

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Herbstrose kommentierte am 10. August 2021 um 00:05

Die Brüder haben sich auseinander gelebt, da hilft auch die gemeinsame Fahrt und der gute Wille, die Urne der Mutter beim Sommerhaus am See zu vergraben, nichts mehr. Selbst dort prügeln sie sich so heftig, dass sogar die Polizei kommen musste. Nach Versöhnung sieht das nicht aus.

Dem Autor gelingt es sehr gut, die Emotionen eines jeden zu beschreiben. Sehr eindrücklich fand ich, wie Benjamin den Tod seiner kleinen Schwester verdrängt hat und tatsächlich der Meinung war, Molly wäre der Hund seiner Mutter gewesen. Auch die Szene am Totenbett des Vaters fand ich sehr berührend – und nicht zu vergessen Mutters Abschiedsbrief. So hartherzig wie sie den Eindruck machte, war sie offenbar doch nicht. Schade, dass sie ihre Liebe nicht allen ihren Söhnen zeigen konnte.

Der Schluss der Geschichte ist dann wohl, wenn ich mit dem Rückwärtslesen nicht ganz durcheinander gekommen bin, die Szene vor dem Sommerhaus als die Polizei eintrifft und die drei Männer sitzen durchnässt und übel zugerichtet auf der Treppe vor der Tür, weinen und umarmen sich. Neben ihnen im Gras steht eine Urne.

Tja, jetzt tut sich mir die große Frage auf: Was ist nun mit der Urne? Um die ging es doch von Anfang an. Jetzt hat sie der Autor wohl vergessen und sie steht dort für alle Zeiten ☺☺☺

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Benne kommentierte am 12. August 2021 um 20:46

Du hast vollkommen Recht mit deinem letzten Gedanken. Da das Buch ja mit dem eigentlichen Ende in der Gegenwart anfängt, werden wir nie erfahren, wie es wirklich endet.

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Estrelas kommentierte am 15. August 2021 um 13:42

Deine Schlussfolgerungen zum Ende/Anfang finde ich stimmig, und die Urne steht da jetzt für alle Zeiten, haha!

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schwadronius meckerte am 04. September 2021 um 19:14

"Selbst dort prügeln sie sich so heftig, dass sogar die Polizei kommen musste. Nach Versöhnung sieht das nicht aus."

Oder es hat genau das bedurft, um all die Erlebnisse ihrer Kindheit dort am See zu begraben.

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Fromme Helene kommentierte am 14. August 2021 um 12:40

Der Paukenschlag des Endes dröhnt mir noch in den Ohren. Für mich hat sich der aufwendige Aufbau und die daraus entstehende Suspense gelohnt. Die letzten Fakten am Ende machen die Geschichte schlüssig.

Wahnsinn zu welchem Kraftakt unsere Psyche in der Lage ist. Lange Zeit habe ich mich gewundert, wie sehr Benjamin in seiner Beobachtungsposition verharrt und mit wie viel Abstand er von den teils heftigen Szenen berichtet. Jetzt mit dem Wissen des Traumas wird das Bild stimmig.

Ich kann nicht sagen, dass die Geschichte mir gut gefallen hat – dafür war vieles während des Lesens zu abstoßend und fragwürdig - gleichzeitig sorgte es aber fürs Weiterlesen. Nach dem Abschluss bin ich tief beeindruckt. Der Autor schafft ein gutes Abbild einer Familie, die an dem Trauma und dem darüber verhängten Tabu zerbricht.

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:36

Schön zusammengefasst, das trifft meine Gedanken weitestgehend auch...

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Anja123 kommentierte am 19. August 2021 um 09:08

Wow! Das macht einen sprachlos! Mit dieser Tragödie hätte ich nicht gerechnet. Die arme Familie. Zurück bleiben ganz viele "Hätte". Hätten die Eltern sich mehr gekümmert... Hätten sie besser aufgepasst... Hätten sie über ihre Probleme gesprochen, anstatt sich gehen zu lassen und sich zu betäuben...

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parden kommentierte am 19. August 2021 um 22:40

Ein leiser Roman, der mit einem Schlag in den Magen endet, so habe ich es empfunden. Das Zentrum der konzentrischen Kreise im Wasser, von dem ganz am Anfang die Rede war, ist gefunden: der Tod der kleinen Schwester. Und Benjamin, der sich lebenslang schuldig fühlt - Schuld am Tod der kleinen Molly, Schuld des Überlebenden, wie sie auch nach anderen Tragödien bekannt ist. Und der Titel erscheint mit dieser Erkenntnis - kein Hund, ein kleines Mädchen - erst richtig sinnvoll.

Mir hat  der Roman unglaublich gut gefallen: der Schreibstil, der Aufbau, die Charakterzeichnungen, die Auflösung - wow. Einfach nur wow.

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schwadronius erwähnte am 04. September 2021 um 19:17

Die Naturbeschreibungen als Bilder für die Geschichte der Familie zu verwenden, fand ich auch eindrucksvoll.

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Heidi kommentierte am 20. August 2021 um 22:35

Ich hätte auch nicht gedacht, dass Molly die kleine SChwester der Brüder ist. Nicht mal die Hinweise, die einige hier gesehen haben, dass etwas nicht stimmt, sind mir aufgefallen. Also die Stelle, wo die Mutter sich zuerst nach Molly erkundet, als sie den Vorfall mit dem Auto hatten. Ich bin wirklich davon ausgegangen die Mutter ist halt etwas "schrullig" und liebt ihren Hund halt wirklich mehr als ihre Kinder. So was soll es ja leider wirklich geben. 

Das Benjamins Gehirn dieses Trauma so verarbeitet, ist auch wirklich glaubhaft. Das hat der Autor gut gelöst. 

Die Sterbeszene des Vaters konnte ich nicht am Stück lesen. Die fand ich sehr emotional, da bei mir einiges hochgekommen ist. Auch diese Szene ist somit recht glaubhaft rübergebracht worden vom Autor.

Was mich allerdings etwas unzufrieden lässt, ist der Brief der Mutter. An sich fand ich ihn recht schön, aber bei einer anderen Mutter fände ich ihn glaubhafter. Die Mutter war doch auch zu Mollys Lebzeiten den Jungs gegenüber nicht so liebevoll. Die Eltern haben auch vor Mollys Tod getrunken und ihre Jungs Wettkämpfe machen lassen, kein Interesse gezeigt. Klar hätten die Eltern nach solch einem schrecklichen Ereignis, mit den Kindern reden können bzw. sollen/müssen, so dass man sagen kann, die Entfremdung läge am nicht reden der Familie untereinander. ABer das Familienbild war zuvor schon nicht ganz korrekt in meinen AUgen. Was man also auf jeden Fall sagen kann, ist dass die Eltern spätestens nach dem Tod von MOlly ihre Beziehung zu ihren Kindern hätten ändern sollen, also vor allem miteinander reden sollen. 

Ich hoffe, ich kann das jetzt grad rüberbringen, was mich so ein bisschen gestört hat. Bis auf diese Unstimmigkeit hat mir das Buch echt gut gefallen. Ich habe es gern gelesen, wenn auch einige Stellen echt hart zu lesen waren, sei es aufgrund von Ekel, Wut, Entsetzen oder Emotionalität. 

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florinda kommentierte am 22. August 2021 um 11:25

ysmn: "“Was ist mit uns geschehen?” kann man wahrscheinlich als Leitfrage dieses Romans bezeichnen."

Dennoch hatte ich nach wie vor Probleme mit dem Hin- und Herspringen, auch wenn es hier ein passendes Stilmittel sein mag - 

Die Auflösung "Hund" / "Schwester" ist in sich zwar stimmig geschildert, liefert auch genug Tragik, um das oft doch recht merkwürdige Verhalten zu erklären, ist für mich aber eine Enttäuschung gewesen (auch, wenn mir eine mir besser gefallende Lösung nicht einfällt).

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leseratte54 kommentierte am 24. August 2021 um 18:25

Im zweiten Teil spiegelt sich die Traurigkeit noch deutlicher wieder. Die Brüder verstehen langsam die Zusammenhänge und damit verbunden auch ihre jeweiligen Positionen in dieser Familie. Das das Schweigen dominiert und sie nichts dafür konnten, dass ihre Mutter sie damit strafte, wird ihnen erst am Ende des Buches bewusst. Eindrucksvoll geschrieben und absolut lesenswert ist dieser Familienroman. 

 

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Caro01 kommentierte am 28. August 2021 um 23:25

Ja, mit diesem Ende habe ich nicht gerechnet! Nachdem ich mit der Brutalität der Jungs untereinander und der Lieblosigkeit innerhalb der Familie meine Schwierigkeiten hatte, nun auch noch eine solche Tragödie. Mir lief es beim Lesen häufig kalt den Rücken hinunter und ich musste mir eine Decke holen. Ein sehr heftiges Buch, aussergewöhnlich!!!! Eine Familie, vor und nach dem Tod der kleinen Schwester, in der kein Problem besprochen wird und alle irgendwie voneinander entfernt weiterleben. Das Buch wird mir auch weiterhin zu Denken geben.

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Das Buchzuhause kommentierte am 29. August 2021 um 15:54

Das, was sich im ersten Teil schon angedeutet hat, wurde im zweiten Teil intensiviert. Die Tiefe des familiären Traumas wurde immer deutlicher und auch der Schmerz wurde fühlbar, Es hat mich mitgenommen und ich war zutiefst berührt von diesen Seelenschmerzen. Wie es dem Autor gelungen ist, dies so zu schreiben, Chapeau!

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schwadronius fragte am 04. September 2021 um 19:27

Haben Benjamins Brüder Molly auch verdrängt / ersetzt?

Bei Pierre könnte ich es mir denken, da er das Geburtstagsgeschenk der Mama Molly nennen möchte, aber Nils?

Konnte Nils mit der Last des Wissens ebenfalls nicht umgehen, so dass er sich die in Bücherwelt flüchtete, sich von den Brüdern distanzierte und nach dem Abitur gänzlich verschwand, um nicht permanent an die Verdrängung erinnert zu werden?!

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gagiju kommentierte am 19. September 2021 um 14:10

Das Buch hat für mich zum Ende hin noch einmal gewltig Fahrt und Spannung aufgenommen und mich immer mehr in seinen Bann gezogen.

Die zeitlichen Hin- und Hersprünge in mehreren Zeitebenen und am Schluss als Rolle rückwärts in Zeitlupe erforderten schon meine erhöhte Lesekonzentration, machten es aber auch sehr interessant.

Die 3 Brüder werden zum Ende hin noch einmal deutlich schärfer in ihren Konturen.

Das Ende, die "Auflösung" ist schockierend und kam für mich wirklich überraschend.

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