Rezension

Ein sehr gelungener Vampirroman

Coco Lavie - Uta Maier

Coco Lavie - Spiegelblut
von Uta Maier

Inhalt:

Coco ist ein Spiegelblut, ein Wesen, das für Vampire von großer Bedeutung ist. Denn ein Spiegelblut ist in der Lage, ein seelenloses Wesen mit Liebe zu füllen und Halbseelen zu vereinen. Als Pontus auf Coco trifft, ist ihm sofort klar, dass dieses Mädchen in der Lage sein wird ihn von seinem Leben als Vampir zu befreien. Ein Pakt mit einem Wächterengel verspricht Pontus die Erfüllung seines Wunsches, wenn er denn das Spiegelblut zu dem Halbseelenträger Damontez bringt und dazu beiträgt, dass sich der auf Damontez ruhende Fluch löst. Schließlich soll Pontus das Spiegelblut töten.

Coco weiß von alledem noch nichts. Voller Angst muss sie sich den Tests stellen, die Damontez mit ihr anstellt, die dazu beitragen sollen, ihre Fähigkeit zu entfalten. Doch Coco ist fest entschlossen ihr wahres Ich vor dem düsteren Vampir zu verbergen und bei nächster Gelegenheit zu fliehen.

Bald schon muss Coco allerdings feststellen, dass Damontez das wohl geringste Übel ist, welches sie in dieser Welt voller Dämonen erwartet.

Wichtigste Charaktere:

Coco ist ein Spiegelblut. Für Damontez ist sie von unschätzbaren Wert. Mit ihrer Fähigkeit ist sie in der Lage, die geteilten Seelen von Damontez und seinem Bruder zu vereinen. Das Mädchen schlägt sich in der Welt voller Gefahren tapfer.

Finan ist Cocos Bruder. Er wurde vor langer Zeit brutal ermordet. Die Hintergründe sind unklar. Sicher ist, dass es in einem Spiegellabyrinth geschah. Finan war ein Spiegelblut.

Eloi ist Cocos Onkel. Er ist dem Alkohol verfallen und neigt dazu übergrifflich zu werden. Dennoch mag Coco ihren Onkel sehr. Er ist einer der wenigen überlebenden Verwandten in ihrem Leben. Eloi ist einer der wenigen Raumkrümmer.

Pontus ist mit einem der Wächterengel einen Pakt eingegangen. Er soll das Spiegelblut zu einem Halbseelenträger bringen, dafür sorgen, dass sie den Fluch, der auf ihm lastet bricht und es danach töten. Coco baut schnell eine tiefe Zuneigung zu Pontus auf, weil er einer derer zu sein scheint, die ihm Schutz versprechen könnten. Von seinen Plänen weiß sie nichts.

Damontez ist der Anführer eines Vampirclans. Sein Auftreten ist sehr beherrscht. Er ist von seiner Erscheinung her angsteinflößend und scheut auch nicht davor zurück die zu bestrafen, die ihm widersprechen.

Mary und Shanny scheuen den düsteren Clanführer Damontez nicht. Sie werden schon bald zu unverzichtbaren Freundinnen für Coco.

Welt:

Die Autorin erschafft eine sehr komplexe und gut durchdachte Welt. Es gibt Lichtbringer (Dämonenjäger), die mit einigen Vampiren zusammen kämpfen und durch ein Zeichen an ihrer Stirn mit einer besonderen Gabe versehen werden.

Raumkrümmer haben in dieser Geschichte die Fähigkeit sich von einem Ort zum anderen zu teleportieren.

Es gibt zwei Arten von Vampiren. Die Angelus, Vampire mit einer Seele und die Nefarius, die ihrer Seele beraubt wurden. Für den Verlust einer Seele ist eine Tat seelischer Grausamkeit verantwortlich.
Zudem gibt es Wächterengel, die über allem stehen.
Und das Spiegelblut. Ein Mensch, der in der Lage ist Gefühle und Sinneseindrücke anders wahrzunehmen als andere Menschen. So kann Coco mit verbundenen Augen die Farbe eines Steines auf ihrer Hand erspüren. Sie erkennt eine Melodie, wenn zwei Vampire miteinander kämpfen. Ein Spiegelblut ist in der Lage vergangene Ereignisse ihres Gegenübers erneut aufleben und ihn damit die tiefe Liebe erneut spüren zu lassen.

Schreibstil:

Die Welt in „Coco Lavie - Spiegelblut“ ist gut durchdacht. Auf den ersten Seiten erfährt der Leser viel über die komplexe Welt der Vampire und ihre Geschichte. Das mag an manchen Stellen vielleicht etwas langatmig sein, trägt aber sehr stark dazu bei, dass die Geschichte an Tiefe gewinnt.

Der Roman ist sehr ernst gefasst. Ironie zwischen den Zeilen sucht man vergebens. Die Protagonistin wirkt in ihrer Rolle als Spiegelblut sehr verletzlich. Unter Damontez Herrschaft muss Coco sich fügen. Die Regeln lauten: Gehe direkt hinter mir, nur einen Schritt versetzt. In Gegenwart von anderen Vampiren sprichst du nicht. Du darfst lediglich mit einem Augenzwinkern antworten. Einmal für ja, zweimal für nein.

Coco hat sehr starke Probleme sich devot zu verhalten. Öfters begehrt sie auf und wird dafür hart bestraft. Damontez selbst ist ein sehr furchteinflößender Charakter. Er scheut nicht davor das Mädchen zu schlagen, Lächeln ist ihm fremd.

Als Leser wird man bald Cocos Hass für Damontez verstehen. Eine Liebesgeschichte scheint gerade auf den ersten Seiten des Romans undenkbar. Vielmehr leidet und fürchtet man mit Coco. Erst im Laufe der Handlung begreift man immer mehr, dass Damontez unter den Vampiren noch einer der großzügigsten ist. Aus Angst vor den anderen gewinnt man zusammen mit der Protagonistin allmählich Vertrauen und kommt dem Herrscher näher.

Durch das Auftauchen der seelenlosen Vampire, die Feinde an jeder Ecke und durch die Geschichte, die man über die Seiten hinweg erfährt, fesselt der Roman den Leser immer mehr.

Coco, die einerseits in dieser gefahrvollen Welt sehr mutig wirkt, durch den Mangel an körperlicher Kraft und jahrelanger Erfahrung der Vampire aber oft nur hilflos und ängstlich agieren muss, wird dem Leser bald sympathisch werden. Mit ihr hofft, bangt, leidet und fürchtet man sich auf jeder Seite dieses Romans.

Fazit:

Mit „Coco Lavie - Spiegelblut“ schafft die Autorin einen gut durchdachten Roman, in dem die Vampire wirklich angsteinflößend und stark wirken. Auch, wenn die Hauptcharakterin eine devote Rolle einnehmen muss, kämpft sie mit den wenigen Mitteln, die ihr Anfangs zur Verfügung stehen.

In diesem sehr spannenden Roman hofft, bangt und leidet man mit der Protagonistin. Man lernt Feinde kenne und Freunde von unschätzbarem Wert.

Ein absolutes Lesemuss für Vampirfreunde.

Buchzitate:

Es lag auch nicht an ihren Augen oder doch? Ich blinzelte. Sie waren kalt und tot wie Grabsteine aus Marmor, und doch so unergründlich lebendig, als würden sie ein Geheimnis bergen, das wir Menschen verloren oder nie gekannt hatten.

Alles was sie sagt und tut, ist wahrhaftig, es entspringt ihrem Inneren. Sie hat nicht gelernt, sich zu verstellen.

Er macht Freundschaften im Kopf, er kann sie nicht fühlen. Wenn er sagt, jemand sei sein Freund, dann heißt es, dass er ihm vertraut, weil er ihn kennt. Und nicht, weil er fühlt, dass er ihm vertrauen kann.

Hätte ich dein Schicksal geschrieben, hätte ich dir mehr Glück zugedacht.