Rezension

Nicht aufgeben

The Widow - Fiona Barton

The Widow
von Fiona Barton

Bewertet mit 4 Sternen

An einen normalen Tag verschwindet die kleine Bella spurlos. Ihre Mutter hatte sie nur ein paar Minuten unbeaufsichtigt im Vorgarten gelassen. Es war auf einmal zu ruhig. Dawn Elliot ruft die Polizei. Befragungen und Befragungen bringen nichts eindeutiges hervor. Erst als man der Spur eines dunklen Vans nachgeht, der in der Gegen gesehen wurde, scheint etwas Licht ins Dunkel zu kommen. Natürlich bestreitet der Verdächtige, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Sein Alibi scheint wasserdicht. Seine Frau stärkt ihm mit stoischer Ruhe den Rücken.

 

Eine ruhige aber dennoch packende Schilderung der Geschehnisse um das Verschwinden eines kleinen Mädchens. Die Handlung setzt ein als eigentlich schon alles vorbei ist. Der Verdächtige ist bei einem Unfall um Leben gekommen. Seine Witwe ist wie erstarrt, nachdem sie ihm unverrückbar zur Seite gestanden hat, ist sie nun allein. In Rückblenden und aus der Sicht verschiedener Personen nähert man sich den Ereignissen. War die junge Mutter überfordert oder leichtsinnig? Musste sie ihr Kind in jeder Sekunde in ihrem Blickfeld behalten? Hat die Ehefrau ihn gedeckt? Ist der Verdächtige etwa unschuldig? Oder hat er doch seine Hände im Spiel beim Verschwinden eines kleinen Mädchens, nicht einmal drei Jahre alt? Hätte der Kommissar, den dieser Fall nicht loslässt, einfach mehr tun müssen? In andere Richtungen ermitteln müssen? 

 

Lange bleibt der Leser im Ungewissen. Hin und her gerissen ist er zwischen Verdacht und Vermutung. Er spekuliert, ahnt, irrt. Was zu so einem Verschwinden führen kann, muss fast zwangsläufig unklar bleiben. Froh nur ein normaler Leser zu sein, kann man sich in einige Motivationen einfach nicht hinein fühlen. Und so ist vielleicht auch das letzte Rätsel nicht lösbar. Gefesselt verfolgt man die geschickte Komposition der Autorin und folgt den Wegen, auf die sie einen lockt. Ein schwieriges Thema von einem interessanten Blickwinkel aus angegangen.