Rezension

Lesenswerter Roman, interessantes Format

Zwei an einem Tag
von David Nicholls

'One Day' beziehungsweise 'Zwei an einem Tag' sollte inzwischen - auf welcher Weise auch immer - jedem irgendwie mal begegnet sein. Nun hat es mir eine Freundin ausgeliehen, so dass ich es auch endlich lesen konnte.

Das Cover ist ja bei der deutschen und der Originalausgabe gleich. Das sieht man ja heute eher selten. Mir gefällt es auch ziemlich gut, obwohl orange nicht so meine Farbe ist. Auch den Titel 'One Day' finde ich kurz und prägnant und nachdme ich das Buch gelesen habe auch sehr aussagekräftig. Die Kapitel sind nämlich so eingeteilt, dass immer vom 15. Juli in einem Jahr zwischen 1988 und 2008 erzählt wird. Die deutsche Übersetzung 'Zwei an einem Tag' finde ich mal wieder misslungen. Das hört sich an, als würde ein männlicher Protagonist über seine 'Aufreiß-Taktiken' schreiben. Zwei Frauen an einem Tag, oder so ähnlich.

Den Schreibstil Nicholls empfinde ich als einen sehr besonderen. Er schreibt auf eine Art und Weise, die ich schlecht einfangen und beschreiben kann, die mich aber doch sehr fasziniert hat. Die Beschreibungen sind detailliert aber nicht langweilig und die Erörterung von Ereignissen ist spannend und ehrlich, aber in keiner Weise platt oder vulgär.

Wie gewohnt habe ich das Buch auf Englisch gelesen. Was mich sehr erstaunte, war, dass ich sprachlich mit dem Buch nicht so gut zurecht kam. Das verwunderte mich, weil ich ja inzwischen seit Jahren auf Englisch lese und mir kaum etwas so richtig schwer fällt. Der Grund, dass es mir mit diesem Buch anders ging, könnte sein, dass der Autor häufiger britischen Slang benutzt und Wörter, die ich einfach nicht kannte. Schlimm fand ich das nicht, denn man wächst ja schließlich an seinen Aufgaben, dennoch würde ich das Buch im original auf keinen Fall Anfängern im englischen Lesen empfehlen.

Die beiden Hauptcharakter sind Dexter und Emma 'Em'. Als Leser erlebt man das Leben innerhalb von 20 Jahren von den beiden mit. Von Anfang an weiß man quasi, dass die beiden füreinander bestimmt sind, es aber nie auf die Reihe kriegen, zusammen zu kommen, da sie jeweils einen völlig unterschiedlichen Lebensstil haben. Dexter kommt aus gutem Haus, studiert Anthropologie und steigt danach ins Medien-Business ein. Dort stolpert er von einer Beziehung in die nächste und hat doch einige Problem mit Alkohol. Emma hingegen weiß nach dem Studium nicht so richtig, was sie machen will. Daher probiert sie sich auf der Bühne und hinter der Bühne aus, agiert als Lehrerin und versucht nebenbei als Autorin erfolgreich zu werden.

Ich persönlich konnte mich mit keinem der beiden Charaktere identifizieren, habe aber mit Spannung ihr Schicksal verfolgt. Ungewöhnlich ist wahrscheinlich, dass Dexter mehr sympathie bei mir hervorgerufen hat als Emma. Welchen grund das hat, kann ich nicht sagen, aber ich denke, dass Mitleid dabei eine große Rolle spielt. 

Dennoch muss ich sagen, dass es David Nicholls gelungen ist zwei extrem unterschiedliche und sehr realistische Charaktere zu schaffen.

Die Idee für dieses Buch finde ich außerordentlich gut. Meistens sind Romanzen ja nur eine Momentaufnahme und eventuell auch mal ein Ausblick in die Zukunft. Dieser hier ist jedoch anders, da man als leser die Charaktere über 20 Jahre hinweg begleitet.
Fazit: Ich empfand dieses Format als sehr interessant und gut gelungen, aber gleichzeitig auch anstrengend zu lesen. Dennoch kann ich jedem diesen Roman nur ans Herz legen.