Rezension

etwas für die FB-Generation und Ü30

Wir beide, irgendwann - Jay Asher, Carolyn Mackler

Wir beide, irgendwann
von Jay Asher Carolyn Mackler

Bewertet mit 5 Sternen

Eigentlich ist "Wir beide, irgendwann" ja ein Jugendbuch, doch ehrlich gesagt finde ich, dass es wohl Leuten, die etwa in meinem Alter sind und die 1996 "richtig" miterlebt haben, noch mehr Spass macht. Denn wir wissen, wie es ist, wenn sich ein altes, analoges Modem ins Internet einwählt. Wir wissen, wie es ist, wenn man entweder surfen oder telefonieren kann. Wir wissen, wie es ohne Facebook ist. Und so denke ich, dass Erwachsene, die so zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, dieses Buch ganz anders lesen als die heutigen Jugendlichen.

Emma erkennt also in Facebook, dass ihre Zukunft nicht gerade rosig aussieht. Erst ist sie arbeitslos, dann entdeckt sie, dass ihre Ehe unglücklich ist und ihr Ehemann sie wohl betrügt. Josh hingegen ist mit seiner Zukunftsvision sehr zufrieden, denn er ist mir dem schönsten Mädchen der Schule verheiratet, hat süsse Kinder und ein tolles Haus. Beide müssen jedoch feststellen, dass jede Bemerkung, ja jeder Gedanke ihre Zukunft verändert. Und genau das hat mich an diesem Buch so fasziniert. Ständig habe ich daraufhin gefiebert, die neuen Statusmeldungen in Facebook zu sehen. Wenn die beiden dieses oder jenes tun, wie verändert sich dann ihre Zukunft? Und vor allem, wie verändern sie dadurch auch die Zukunft von anderen? So hat sich "Wir beide, irgendwann" für mich zu einem richtigen Pageturner entwickelt und ich konnte das Buch kaum mehr aus den Händen legen.

Jay Asher und Carolyn Mackler lassen in ihrem Werk Emma und Josh zu Wort kommen. So sind die Kapitel immer abwechselnd aus der Perspektive der beiden erzählt. Dadurch und durch den angenehmen, leichten Schreibstil hat mir das Buch kurzweilige und unterhaltsame Stunden geboten.

Die beiden Protagonisten sind sehr glaubwürdig und sympathisch. Während Emma sehr offen und aufgeweckt ist und ab und zu etwas vorschnell handelt, wirkt Josh sehr ruhig und bedächtig. Er möchte sich seiner Sache sicher sein und überlegt lieber erst zweimal bevor er dann handelt. So treffen die beiden alten Freunde durch die Facebook-Sache wieder aufeinander und wachsen dem Leser schnell ans Herz.

Klar ist das Buch vorhersehbar und ich habe nie daran gezweifelt, wie die Geschichte ausgeht, doch das setzt dem Lesegenuss keine Grenzen. Denn die Frage ist mehr, wie kommt es zu diesem Ende? Was muss sich in der Gegenwart ändern, dass diese Zukunftsvision entsteht?
Und die Quintessenz, dass man nicht nur für die Zukunft leben, sondern auch das hier und jetzt geniessen soll, finde ich eine sehr schöne Botschaft, die das Buch schön rüberbringt.

"Wir beide, irgendwann" war für mich nicht nur gute Unterhaltung und ein Pageturner sondern auch eine Zeitreise zurück in meine eigenen Computeranfänge. Oft musste ich schmunzeln als ich auf mir bekannte Szenen traf und mich so um 15 Jahre zurückversetzt fühlte.

Fazit:
Eine wirklich tolle, neue Idee verpackt in eine schöne, ruhige Liebesgeschichte. "Wir beide, irgendwann" begeistert bestimmt beide: die Facebook-Generation und die Ü30.